Silbergeuß

Ausritt

04/01/2022

Dem Nachfahre einer alten Aristokratenfamilie, nennen wir ihn Chevalier de Konjäckchen, wurde es in seiner Behausung zu eng. Also ließ er sein Pferd satteln und ritt aus. Unterwegs dachte er über die Ursachen totalitärer Epidemiologie nach. Allerdings kam er zu keinem Ergebnis und so gab er das Grübeln schließlich auf. Er öffnete die Augen und das Herz der ihn umgebenden Natur und bestaunte einen knarzigen Baum, neben dem eine schräge Bretterwand als dürftiger Wetterschutz aufgebaut war.
In die Bretterwand war ein Text geritzt: »Ist das Wetter schlecht, so nutze den Wetterschutz, wenn Du es für nötig erachtest. Ist das Wetter aber schön, so nimm dir Zeit und betrachte den Baum.«

Landschaft mit Reiter Tusche A4
Landschaft mit Reiter

Einst begab es sich, dass ein Weihnachtsmann, der am Heiligabend eine frühe Bescherung erledigt hatte, den Weg aus der Stadt hinaus nahm. Eigentlich hätte er noch viele Familien zu besuchen gehabt, doch er hatte keine Kraft mehr.


Von Jahr zu Jahr glaubten immer weniger Kinder an die Geschichte vom Weihnachtsmann. Nicht selten musste er spöttisches Gekicher und freche Antworten über sich ergehen lassen. Dies zehrte ihn immer mehr aus. In jenem Jahr wurde in renommierten Zeitungen diskutiert, ob der Weihnachtsmann noch zeitgemäß sei. Aus Gründen der Gleichberechtigung wäre es doch vonnöten, zumindest eine Weihnachtsfrau einzuführen oder doch am besten gleich einen diversen Weihnachtsmensch. Vielleicht ließe sich der Weihnachtsmann digitalisieren und somit physisch abschaffen. Ein App könnte die moderne Lösung sein, man befände sich auf der sicheren Seite und wäre der Tyrannis alter weißer Männer entkommen.


Der Weihnachtsmann hatte die Meldungen, die sich mit seiner Existenz beschäftigten, aufmerksam verfolgt. So kam es, dass ihm an diesem Heiligabend ständig Gedanken durch den Kopf gingen. Kaum konnte er sich auf die Bescherung konzentrieren. Ja, er war froh, als er endlich das Haus verlassen hatte. Hinter den Bergen ging die Sonne unter und zauberte ein oranges Feuermeer an den Himmel. Der alte Weihnachtsmann spürte plötzlich lange nicht gekannte Kräfte. Entschlossen nahm der die alte verschneite Straße, die in die Berge und in das Farbenwunder des Himmels führte und ward seitdem nie mehr gesehen.

Heiligabend Oel auf Malplatte 40 x 30

Wissen

30/12/2021

Sich dessen bewusst sein, was man weiß, zuzugeben, was man nicht weiß, dies sei das richtige Verhältnis zum Wissen, war sich Konfuzius einst sicher. Zum Glück ist der große Meister des Wissens schon lange tot. Zumindest das was man nicht weiß zuzugeben, ist aus der Mode gekommen. Damit lässt sich keine Karriere machen. Daher ist es besser, durch geeignetes Textmanagement zu suggerieren, dass man mehr wüsste, als man wirklich weiß. Und wenn es dafür einen akademischen Titel gibt, den man wieder abgeben muss, was macht das schon? Mit diesem Verhältnis zum Wissen kann man heutzutage immerhin Minister oder Regierender Bürgermeister werden. Alles ist möglich, alles kann und nicht’s muss.

Selfie 29 x 20 Öl auf Papier

Blick vom Berg

16/12/2021

Im Tal liegt ein Land, das die Gelassenheit verloren hat. Der Instinkt schleicht drunten, in graue Lumpen gehüllt, wie ein scheuer Dieb um Häuserecken. Vor den virtuellen Podesten der Oratores versammeln sich schwarze Massen, um sich mit Glaubenssätzen zu versorgen, und das Kainsmal war wiedergekommen, ausgesandt von der Tyrannis der Moralinhaber.

Steinadler 40 x 30 Öl auf Hartfaser

Keine Erfolge

24/11/2021

Heute wurden keine Erfolge eingefahren, keine Weichen gestellt. Der Tag dämmerte silbergrau dahin. Unter der Decke der Restriktionen, die über das Land gelegt wurde, lebt man im Verborgenen.

Ein schöner Nachmittag Öl auf Papier 42 x 42

Der Youtube Kanal von Carl Weltwitz ist eröffnet.

Am Samstag und am Sonntag war Malerei vor der Natur in der näheren Umgebung angesagt.

Ein Feldweg
Feldweg PleinAir
Öl auf Canvas-Board 24×35
Ein Feldweg mit Blick über das Feld
Feldweg PleinAir
Öl auf Canvas-Board 24×35

Als Anlass für Malerei reicht das Allernächste. Alles was da ist und seine Form und Natur vor dem sehenden Auge entbirgt. Wenn Kunst in dem Moment entsteht, wenn das Material auf den Träger gebracht wird oder anders gesagt, wenn das Material geformt wird, legt sie alles Pathetische, Anekdotische ab. Der Künstler ist dann das Verbindungselement zwischen der Natur und dem Werk. Kunst ist somit weder ein Fluidum noch ein Medium, sie ist die subjektive Umformung des unmittelbaren Natureindruckes durch den Künstler und die Sichtbarmachung dieser Umformung im Werk. Je strenger die Unmittelbarkeit des Natureindrucks als Ausgangspunkt des Werkes während des Schaffensprozesses gewahrt bleibt und je weniger sich der Natureindruck mit Erzählerischem verschränkt, desto mehr Wahrhaftigkeit durchdringt das Werk.

Aquarelle

08/05/2021

Landschaft und Aquarell, das passt gut zusammen. Ich will mich vor der Landschaft nicht zur Pingeligkeit verführen lassen, wohl aber von den in das Wasser gefallenen Aquarellfarben zum freien Vortrag. Der alte Otto Niemeyer-Holstein sagte einmal, dass er die Aquarellitis bekommen habe. Eine schöne Krankheit, schöner als Corona.
Aquarellfarben lassen sich wunderbar mit Buntstiften, Tusche, Ölpastellen u.a. verbinden. Mischtechniken sozusagen. Das bedeutet, die Aquarellitis führt nicht nur zum freieren Vortrag, sie hilft, die eigene Form zu finden.

Anhöhe

02/05/2021

Die Pandemie zieht sich und zieht sich in die Länge. Langsam, wie ein Regenwurm kriecht sie durch das Tal des menschlichen Lebens. Wer weiß, vielleicht schenken wir der Pandemie zu viel Beachtung. Für die Besitzer der Impfstoff Fabriken lohnt sich der pandemische Nexus allemal, sie verkauften ihre Vakzine ohne Haftungsrisiko und gegen Vorkasse, noch bevor die Produktion richtig angelaufen war. Was für ein Deal!
Besteigt man einen Berg und betrachtet das Pandemiegeschehen von dieser Anhöhe aus, so relativiert sich seine Bedeutung sofort und setzt man die Pandemie gar in das Verhältnis zum Universum, dann verschwindet sie, wie ein müdes Elementarteilchen in einem Quantentopf.

Eichen

26/04/2021

Woher diese Formen, woher diese Stimmung. Hat sich schon wieder alles geändert? Ja! Schon seit langem weiß man, und ein kluger Mann schrieb es einst auf, dass sich die Bilder und die Ansichten über die Dinge nach einem Dezennium, ja schon nach einem Lustrum so zu ändern vermögen, dass der oberflächliche Geist nicht glauben kann, dass diese sich aus demselben Ich in die Welt bildeten.
Dem digitalen Irrsinn entfliehen, dem Feldweg nachgehen, uralte Bäume betrachten.

Eiche (Studie nach Eugen Dücker) 24 x 32 Öl auf Leinwand

Das Hauptverdienst des Impressionismus war, dass man ab da einen Monet, Renoir oder Cezanne kaufte und nicht mehr einen Eichenhain im Abendsonnenlicht oder eine Rast in südlicher Landschaft. Das Name-Branding war erfunden.
Für das kunstinteressierte Publikum bedeutete dies zunächst einen erheblichen Mehraufwand an Bildungsarbeit, musste es doch lernen, einen Monet von einem Renoir unterscheiden zu können. Die Signatur wurde wichtig und ist es bis heute geblieben. Das signierte Werk ist das teurere. Hatte man erst einmal diese Hürde genommen und war in der Lage anhand der Signatur und vielleicht sogar durch Kentniss des Stils den Verfasser des Werkes zu bestimmen, so konnte man zur Belohnung der Mühen für sich in Anspruch nehmen, als gebildet zu gelten.

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