Kohlezeichnen

Lilienstein
Lilienstein

Wie ein adipöser Lindwurm wälzte sich die Wolke über den fernen Lilienstein. Stift, der Zeichner von den drei Eichen, bestaunte das Schauspiel mit offenem Mund. Schon kreiselten seine Gedanken, ob sich denn von diesem Naturwunder ein verkäufliches Blatt in Kohle anfertigen ließe. Mit seinem Gefährten Fludribus befand er sich auf Wanderschaft, um Zeichnungen nach der Natur anzufertigen. Stifts merkwürdige Neigung zum intensiven merkantilen Grübeln ließ ihn zuweilen sogar die auf ihn wartende bezaubernde Camilla, Tochter der Signora Palpiti, vergessen. Nicht nur das, auch die Kohle, das Zeichenmaterial, hatte er zu Hause liegen gelassen. Also machten sich Stift und Fludribus daran, ein kleines Feuerchen zu entfachen, um ein paar Buchenzweige, die sie vom Waldboden aufsammelten, zu verkohlen.
Da blies aus der Lindwurmwolke ein heftiger Wind, der das Feuer in das trockene Unterholz trieb und schon brannten die Büsche und kleinen Bäume auf der Felsplatte, die sich die beiden fahrenden Künstler zum Aussichtspunkt gewählt hatten, lichterloh. Bei dem Versuch, das Feuer zu löschen, stürzten sie schließlich vom Felsen. Glücklicherweise fielen sie in eine Gruppe junger, stachliger Fichten, die die sausende Abfahrt soweit bremsten, dass sie sich zwar unversehrt, aber doch mit blauen Hinterteilen auf weichem Grase neben einem friedlich dahin murmelnden Bach wiederfanden. In diesem Moment entfuhr dem Lindwurm, der sich weiter herangewälzt hatte, ein knallender Blitz und der darauf folgende Gewitterregen löschte das Feuer auf dem Plateau über ihnen.
Die Erkenntnis der Geschichte ist, dass das Kohlezeichnen nicht ganz so einfach ist. Aber doch einfach genug, dass jeder es getrost einmal versuchen kann. Die Zeichenkohle zwingt zum großzügigeren Arbeiten. Man sollte zunächst auf allzu viele Details verzichten. Kohle kann gut korrigiert werden und eignet sich zum Entwerfen von Bildern.

Mann vor altem Grabstein
Mann vor altem Grabstein

Leider gibt es auf Grund der oben geschilderten Ereignisse keine Bilder vom Studiengang der beiden Künstler. Deshalb habe ich, ungeachtet oder trotz meiner verkümmerten Fähigkeiten, versucht, selbst eine Ansicht der Lindwurmwolke über dem Lilienstein in Kohle zu wagen. Der geneigte Leser verzeihe die laienhafte Umsetzung.
Ein glücklicher Umstand spielte mir außerdem zweiter Blätter aus den Skizzenbüchern von Stift und Fludribus in die Hände, die ich hier gerne als Beispiele für Kohlezeichnungen anhänge.

Porträtstudie Tagore
Porträtstudie Tagore

Auf den beiden Blättern ist ein einmal ein Mann dargestellt, der vor einem alten Grabstein sitzt und den plötzlich ein Vogel besucht, zum anderen eine Porträtstudie von Tagore.

Der Zeichner unter den drei Eichen

Das Zeichnen und Malen in der Natur ist doch immer wieder eine willkommene Abwechslung zum Atelieralltag. Die Impressionen, die den Malort im Freien auszeichnen, prägen sich recht tief in das Gedächtnis ein. Schaut man später, zu Hause, die Skizzen und Studien durch, erinnert man sich ziemlich genau an die Stimmung vor Ort, an die Lichtverhältnisse, die Geräusche und Gerüche, an die lästige Wespe, die nicht weichen wollte und sich selbst durch heftiges Wedeln mit dem Skizzenblock nicht vertreiben ließ.

Der Zeichner unter den drei Eichen
Der Zeichner unter den drei Eichen

Eine Schwierigkeit, die sich immer wieder beim Plein Air aufzeigt, und vor allem für Anfänger eine Hürde darstellt, ist die Auswahl eines geeigneten Ausschnittes. Erscheint uns die umgebenden Natur doch schier unendlich. Man kann nicht alles malen, was da ausgebreitet vor uns liegt. Es muss auch nicht alles gemalt werden. Wenn mich die Fülle der vor mir ausgebreiteten Landschaft quasi erschlägt, suche ich mir eine Einzelheit aus, einen Baum, eine Buschgruppe, eine Wegbiegung und versuche diese, nachdem ich die Horizontlinie festgelegt habe, auf dem Blatt formatfüllend beziehungsweise das Format aufspannend zu platzieren.
Die Vorlage für den Zeichner unter den drei Eichen waren die Skizze und die Erinnerung an den vor kurzem erfolgten Studiengang in den Eichenhain.

ps. Ich kann jetzt auch Initialbuchstaben. 🙂

Das Schaf wanderte aus

Zu Weihnachten ist das Schaf ausgewandert und hat eine neue Besitzerin gefunden. Den verlassenen Platz am Fenster, wo es ausgestellt war, haben nun die herbstlichen Felder erobert.
Was nun? Man könnte sich ein neues Schaf malen. Eine neue Fassung. Von Edward Munch’s Schrei gibt es auch mehrere Fassungen. Vier Stück sollen es sein. Auch von Caspar David Friedrichs Gemälde Zwei Männer in Betrachtung des Mondes sind verschiedenen Fassungen bekannt. Mal mit zwei Männern, dann mit Mann und Frau.
Ich denke, wenn im Sommer die Tiere wieder auf den Weiden sind, werden ich mich mit Bleistift und Skizzenblock bewaffnen, fröhliche Studien treiben und mir ein neues Schaf malen. Oder zwei? Oder drei? Schauen wir mal.

Schaf auf einer Wiese
Schaf auf einer Wiese

Skizze

Frühlingshaftes Wetter ringsum. Nur das Grün der Bäume fehlt. Das hat aber auch sein Gutes. Ohne Laub kann man die Anatomie der Bäume und Sträucher sehr gut studieren. Geht man um den Triptiser Stausee, findet man sich plötzlich in einem kleinen Eichenhain wieder. Dort saß ich auf einem Stumpf und zeichnete die Eiche. Um die Skizze etwas zu beleben, kam noch ein Reiher dazu. Der war aber nicht vor Ort, der ist eine reine Erfindung meinerseits.
Den Nachmittag nutzte ich heute um im Garten fünf Bildträger vorzuleimen und zu grundieren. Im Freien macht sich das gut, weil die Aufträge rasch trocknen und man zügig vorankommt.

Eiche
Eiche

Spaziergang im Wald II Idylle

Die Idylle wird in der Literatur zur Bildenden Kunst, was die Lehrbücher anbetrifft, nicht mehr behandelt. Das einzige mir bekannte Lehrbuch neueren Datums, in dem die Idylle ein kleines idyllisches Dasein fristen darf, ist das über Landschaften von Gottfried Bammes. Kritiker der Idylle werden einwenden, dass sie das wahre Leben ignorierend nichts anderes als Wirklichkeitsflucht ist.
Die beiden Spaziergänger beschlossen an einem sonnigen Morgen, für heute das wahre Leben sich selbst zu überlassen, und schlugen den Weg durch eine romantische Schlucht im Walde ein. Weit weg von besagtem wahren Leben, gab es auf dem abenteuerlichen Pfad so manch idyllisches Fleckchen Natur zu entdecken.

Spaziergang im Walde
Spaziergang im Walde

33 x 24 Öl auf MDF Board

Spaziergang im Wald

Aus den vorangegangenen Studien ist nun ein kleines Gemälde geworden. Spaziergang im Wald auf einer grundierten MDF Platte. 32cm x 24cm groß.

Spaziergang im Walde
Spaziergang im Walde