Wolken über dem Hocker

Eine Siesta nach dem Mittagessen ist verlockend, doch ich hole das flexible Skizzenbuch und Stifte aus dem kleinen Atelier und unternehme lieber einen bildnerischen Erkundungsgang. Auf der Straße nach Tömmelsdorf gibt es schöne, weite Blicke über Wiesen, über Felder, die Leubsdorfer Straße, den Hocker. Der Hocker ist ein Hügel vor Triptis, auf dem das sogenannte Hockerschößchen steht. Ein sehr schönes Gebäude, welches früher einmal ein Ausflugsrestaurant war. Genaugenommen sind es zwei Hügel und wenn man eine topographische Karte zu Rate zieht, sieht man den Kleinen Hocker mit 382,9 m und den Großen Hocker mit 390,0 m eingetragen.

An der Tömmelsdorfer Strasse
An der Tömmelsdorfer Strasse A4 Bleistift auf Papier

Genau an der Grenze zwischen Tömmelsdorf und Triptis zweigt ein Stichweg ab und führt ein gutes Stück ostwärts in die Felder. Er schlängelt sich über zwei sanfte, langgestreckte Bodenwellen und endet schließlich an zwei Teichen, von denen aus der Ferne nur das Buschwerk zu sehen ist, welches ihre Ufer umsäumt. Ich biege unschlüssig in den Feldweg ein und folge ihm eine kurze Strecke. Doch die Gegend um die Teiche soll heute nicht mein Motiv für das Zeichnen vor der Natur sein. Ich drehe mich um, blicke das Stück Weg, das ich gekommen bin, zurück und beginne zu zeichnen. Der Weg führt gut in das Bild ein und bildet mit dem Feld rechts und links den Vordergrund. Im Mittelgrund quert die Tömmelsdorfer Straße das Zeichenblatt. Viel ist von ihr selbst nicht zu sehen. Aber der Bewuchs von Bäumen und Sträuchern an ihren Straßenrändern, ein Strommast und das einsame Haus lassen eine Landstraße erahnen. Auch das Haus steht genau auf oder an der Grenze der beiden Gemeinden. Ist es das letzte Haus von Triptis oder das erste von Tömmelsdorf, wenn man in diese Richtung fährt? Eine ehemalige Postfrau versicherte mir auf meine Nachfrage, und sie muss es schon aus beruflichen Gründen wissen, dass es das erste Haus Tömmelsdorfs ist. Ich bemerke, das Naturstudium mit Stift und Pinsel befördert nicht nur die bildnerischen Fähigkeiten, es ist auch der Allgemeinbildung sehr dienlich.

Regenwolken über dem Hocker
Regenwolken über dem Hocker A4 Bleistift auf Papier

Aus der Orlasenke, aus Richtung Pößneck ziehen dunkle Wolken herauf. Da ich keinen Schirm dabei habe, breche ich ab und begebe mich auf den Heimweg. Der die Wolken treibende Westwind reißt immer wieder Lücken durch die die Sonne Landschaftsflecken wie mit einem Spot beleuchtet. Ich versuche noch eine schnelle Skizze, wie die Wolken über den Hocker ziehen. Nun aber schnell, es gibt schon erste Spritzer und ich bin zu Fuß unterwegs.

Am See

Draußen weht ein böiger Wind. Ich krame in der Mappe mit den alten Fotos. Urlaubsfotos von früher, vom Haff oder vom Achterwasser.
Die Stimmung an größeren Gewässern ist immer etwas Anderes als hier auf dem Land. Frischer Wind, weite Blicke, Schilf, Boote und ihr Zubehör, man kann sich nicht sattsehen, als Landratte. Ob das die Bewohner der Küsten- und Seeregionen auch so empfinden? Ich weiß es nicht. Vielleicht sind für sie Berge und Täler die kleinen Sensationen im Urlaub.
Heute ist mir einmal nicht nach Erkundungsgang. Ich nehme mir eines der Fotos als Anregung und erfinde eine Landschaft mit einem Zugang zu einem See. Ein Boot liegt am Strand, gesichert durch eine Leine. Schuppen und eine knorrige Weide kommen noch hinzu, ein bisschen Zaun und fertig. Zugegeben, die Weide sieht etwas exotisch aus.

Am See
Am See 24×32 Bleistift auf Papier

Butterblumen und Wehrkirche

Der Himmel hat sich in den letzten Tagen ein schon fast toskanisches Blau zugelegt und das schöne Wetter der Osterfeiertage hält weiterhin an. Im Internet war ein köstliches Bonmot zu lesen: Wenn es nicht regnet, bleibt es trocken.
Gestern:
Die Kelche der Butterblumen öffnen sich in der späten Nachmittagssonne weit. Manche Blüten sind schon abgefallen. Ich schneide mir von den großen, gelblich getönten Papierbögen, die ich einmal als Restposten erworben hatte, ein paar Blätter zurecht. Ungefähr 30cm mal 43cm. Ich will neuerdings auch größer skizzieren als A5 und A4, keine Ahnung, woher dieser Drang kommt. Auf dem kleinen Klapphocker neben dem Rasenstück sitzend, welches den Gartenteich von der Einfahrt trennt, wähle ich schwarze Kreide und beginne Butterblumen zu zeichnen.

Butterblumen
Butterblumen schwarze Kreide auf getöntem Papier 30 x 43

Heute Morgen:
Für das zurechtgeschnittene Zeichenpapier brauche ich eine Unterlage, sonst geht das nicht. Gestern hatte ich mich mit der Rückseite einer Ölmalplatte beholfen. Also fahre ich nach Neustadt in den Baumarkt und lasse mir eine HDF-Platte auf 40cm mal 50cm zuschneiden. Die passt gut in die kleine Zeichentasche und wenn die Blätter einmal ein bisschen größer werden, komme ich damit noch bis zu diesen Abmaßen aus. Den Rückweg nehme ich über die Tälerdörfer, die in den Hügelland-Tälern liegen. Eine herrliche Landschaft, und das Wetter ist sommerlich. In Döblitz stelle ich das Auto am Straßenrand ab. Die alte Wehrkirche zeichne ich immer wieder gerne und jetzt muss ich die neue Unterlage testen. Ich nehme diesmal einen 4B Bleistift. Das getönte Papier hat eine leichte Struktur, die sich bemerkbar macht. 4B funktioniert gerade noch. Besser für diesen Zeichengrund wären wohl Kohle, Kreide oder 8B Bleistifte. Das getönte Papier will tiefe Dunkelheiten. Bei den Butterblumen ging das schon ganz gut. Ich muss den Bleistift zweimal spitzen, weil sich die Spitze völlig aufgebraucht.

Wehrkirche Döblitz
Wehrkirche Döblitz Bleistift auf getöntem Papier 30 x 43

Akt

Ich räume in der Werkstatt auf und sondere unnütz gewordene Sachen aus. Neben Kartons stehen alte Zeichenmappen und bemalte Leinwände. Darunter eine Handvoll Akte. Ich hatte ja irgendwann früher auch einmal eine kleine Ausbildung in Bildender Kunst genossen. Ein Modul dieser Ausbildung hieß Naturstudium, was bedeutete Akt, Akt und nochmals Akt plus strenger Korrektur durch den Dozenten. Üblicherweise wurde mit verschiedenen Materialien auf großen, teilweise farbig grundierten Blättern gezeichnet. Verschiedene Graphitstifte, Kohle, Kreide usw. Die Bilder sind Ableitungen von diesen Blättern, die ich nach den Unterrichtseinheiten zu Hause anfertigte.

Akt im Kontrapost
Akt im Kontrapost Ohne Datum 70 x 50 Öl auf Papier

In der Volkskunstschule Oederan wurde Aktzeichnen vor dem Modell angeboten. Dieses Angebot einige Jahre zu nutzen, war für mich von großem Nutzen, um das Gelernte weiter zu festigen. Aus dieser Zeit stammt das Bild mit dem sitzenden Akt.

Sitzende
Sitzende, 61 x 50, Öl/LW, 2012

Aus dem Skizzenbuch

Ich stelle das Fahrrad am Straßenrand ab und hole Skizzenblock und Zeichenzeug aus der Umhängetasche. Mit der hohlen Faust bilde ich ein kleines Guckloch. Das haben wir als Kinder gemacht, um ein Fernrohr zu imitieren. Ich versuche die Landschaft, die sich ringsum ausbreitet, auf ein Motiv einzugrenzen. Alles kann man nicht zeichnen, man muss sich auf einen interessanten Ausschnitt fokussieren, auch wenn dabei anderes Interessantes außen vor bleiben muss. Dann lieber mehrere Skizzen anfertigen.

Aus dem Skizzenbuch
Aus dem Skizzenbuch

Die Bäume sind kurz vor dem Austreiben, manche fangen schon zu blühen an. Wie kann das gezeichnet werden? Die Kronen sollten sich hell vor dunklerem Hintergrund abheben. Frisches Grün ist hell, und blühende Bäume sowieso, sie leuchten im schwindenden Wintergrau der Landschaft. Lichte Flecken ringsum. Ich versuche, eine Art zeichnerische Handschrift zu finden, um die Skizzen vor Ort rasch niederschreiben zu können.

Aus dem Skizzenbuch
Aus dem Skizzenbuch

Blick über die Orlasenke Richtung Lemnitz

Die Orlasenke präsentiert sich als ein riesiges Tal zwischen Triptis und Saalfeld. Durchwandert man diese Landschaft auf den Höhen ihrer Flanken, eröffnen sich weite Blicke in das Land. Ich versuche, mir die Charakteristik der Landschaft mit Gouache zu erarbeiten. Hier stand ich an der Nordflanke der Senke. Ein lang abfallender Hang, auf dem die junge Saat schon aufgegangen ist. Weiter unten sind einige Anwesen eines Dorfes zu erkennen. Ich bemühe mich, Bewegungen in der Landschaft zu erkennen. Kleine Bodenwellen, kaum spürbare Faltungen der Geologie. Diese nutze ich, um das Bild zu strukturieren. Ansonsten wäre der Hang nur eine öde, grüne Fläche im Bild. Die Situation des abfallenden Geländes, des Tales und des Wiederanstieges in der Ferne soll bildnerisch umgesetzt werden.

Blick über die Orlasenke Richtung Lemnitz
Blick über die Orlasenke Richtung Lemnitz

Gouache ist für mich ein nicht so ganz einfaches Medium. Ich muss mich erst daran gewöhnen. Erstaunlich, dass mit diesem doch schwierigen Farbsystem in der Unterstufe gearbeitet wird. Die Farbe ändert sich mit dem Trocknen. Sie lässt sich also während der Arbeit nur ungefähr beurteilen. Man muss Erfahrung sammeln. Hier in dem Bild, des von Feldern und Wiesen umgebenen Dorfes, bin ich schon mehr in die Farbe gegangen. Mutiger sozusagen. Die Formen des Landschaftsleibes kommen ausdrucksstärker heraus.

Von Feldern und Wiesen umgebenes Dorf
Von Feldern und Wiesen umgebenes Dorf

Trotzdem, die Gouache ist ein wunderbares Farbsystem, um sich Landschaften zu erarbeiten, um Landschaftsskizzen vor Ort zu machen und um Stimmungen in farblichen Ausdruck zu übersetzen. Als Grundausstattung reichen jeweils ein warmes und kaltes Gelb, Rot und Blau, ein Ocker, ein Umbra und ein Schwarz und ein Weiß. Stabiles Papier und ein Gefäß mit Wasser, ein paar Borstpinsel und ein- zwei kleine Rundpinsel mit Fehhaar oder Marderhaar für Details und das Naturstudium kann beginnen.

Kuh
Kuh

Landschaftsskizze mit Gouache

Mit einfacher Gouache, quasi Schulmalfarbe, auf einem einfachen Aquarellblock (Jedoch sollte der Block wenigstens vierseitig geleimt sein, sonst wellt sich das Papier zu sehr.) kann man wunderbar unterwegs Landschaftsskizzen anfertigen. Notizen auf bildnerischen Erkundungsgängen.
So wie hier im Bild, die Felder bei Leubsdorf. Gouache auf Papier, 24 x 32.

Felder bei Leubsdorf
Felder bei Leubsdorf