Der Gekreuzigte und ein Selbstporträt

Am Kreuz Bleistift A4

In Folge der grassierenden Coronapandemie hält man sich zur Zeit meistens im Haus auf, obwohl schönstes Frühlingswetter über der Landschaft liegt. Museen sind geschlossen, Mal- und Zeichenkurse wurden ausgesetzt, in den Schulen findet kein Unterricht statt, die Menschen sollen zu Hause bleiben und wenn sie doch wegen etwaiger Besorgungen nach draußen müssen, sind sie angehalten, genügend Abstand voneinander zu halten, so dass Viren nicht übertragen werden.
Hannes Wader singt gerade eben im Radio, …“Heute hier, morgen dort Bin kaum da, muss ich fort…“. Ein Lied der Ruhelosen, der Streuner und Tramper. Wären die damals zu Hause geblieben, in den Siebzigern? Schwer vorstellbar. Vielleicht meint Wader das nur symbolisch, im übertragenen Sinne sozusagen. Obwohl, beim Singen ist er geblieben. Ein fahrender Sänger.
Was tun also? Zeichnen geht immer. Das Gerüst meiner Kunst ist die Zeichnung. Ich bin zwar kein Kirchengänger, aber das Thema Kreuzigung interessiert wohl über alle Konfessionen und Weltanschauungen hinweg. Es ist Ostern, Karfreitag. Ich nutze also die Zeit und versuche eine Skizze des Gekreuzigten.

Und heute ein Selbstporträt. Ich habe mir einen Spiegel auf die Staffelei gestellt. Ein Modell hat man immer, ist ein gängiger Spruch. Ich füge hinzu: so man einen Spiegel zur Hand hat. Selbstporträts vor dem Spiegel werfen zurück, sprichwörtlich auf den Boden der Tatsachen. Man sieht, was für ein hässlicher, alter Sack mit der Zeit aus einem geworden ist. Doch solchen Gedanken, wenn sie auch noch so oft aufkommen, darf der Zeichner keine Aufmerksamkeit schenken. Unerbittlich muss er sein, grausam. Er hat sich dem zu stellen, was er vor sich sieht.

Selbst Bleistift A4
Alter Mann nach Hans Baldung Bleistift

Nachtrag am Abend: Wenn man sich mit dem Zeichnen beschäftigt, sei es in theoretischer Hinsicht oder in praktischer, kommt man an alten Großmeistern der Zeichenkunst, wie Hans Baldung oder Albrecht Dürer nicht vorbei. Das Studium des grafischen Werkes der Renaissancekünstler ist ein lohnender Zeitvertreib in den Zeiten der Coronakrise.

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