Silbergeuß

Einst begab es sich, dass ein Weihnachtsmann, der am Heiligabend eine frühe Bescherung erledigt hatte, den Weg aus der Stadt hinaus nahm. Eigentlich hätte er noch viele Familien zu besuchen gehabt, doch er hatte keine Kraft mehr.


Von Jahr zu Jahr glaubten immer weniger Kinder an die Geschichte vom Weihnachtsmann. Nicht selten musste er spöttisches Gekicher und freche Antworten über sich ergehen lassen. Dies zehrte ihn immer mehr aus. In jenem Jahr wurde in renommierten Zeitungen diskutiert, ob der Weihnachtsmann noch zeitgemäß sei. Aus Gründen der Gleichberechtigung wäre es doch vonnöten, zumindest eine Weihnachtsfrau einzuführen oder doch am besten gleich einen diversen Weihnachtsmensch. Vielleicht ließe sich der Weihnachtsmann digitalisieren und somit physisch abschaffen. Ein App könnte die moderne Lösung sein, man befände sich auf der sicheren Seite und wäre der Tyrannis alter weißer Männer entkommen.


Der Weihnachtsmann hatte die Meldungen, die sich mit seiner Existenz beschäftigten, aufmerksam verfolgt. So kam es, dass ihm an diesem Heiligabend ständig Gedanken durch den Kopf gingen. Kaum konnte er sich auf die Bescherung konzentrieren. Ja, er war froh, als er endlich das Haus verlassen hatte. Hinter den Bergen ging die Sonne unter und zauberte ein oranges Feuermeer an den Himmel. Der alte Weihnachtsmann spürte plötzlich lange nicht gekannte Kräfte. Entschlossen nahm der die alte verschneite Straße, die in die Berge und in das Farbenwunder des Himmels führte und ward seitdem nie mehr gesehen.

Heiligabend Oel auf Malplatte 40 x 30

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