Abstrakt

No. 1

Ich wollte auch mal ein abstraktes Bild malen, aber irgendwie ist das nichts für mich. Es macht mir keinen Spaß. Dabei ist es nicht so, dass ich noch keinerlei Berührungspunkte mit abstrakter Malerei gehabt hätte. Damals im Jahreskurs Bildende Kunst wurde je ein viertel Jahr Gestaltungslehre, Malerei, Zeichnen und Aktstudium gegeben. Danach 3 Jahre im offenen Atelier Malerei unter der großen Überschrift Farbe und Form. Ausgangspunkt waren die Bilder Serge Poliakoffs. Poliakoff war ein russischer Maler, der aus einer wohlhabenden Familie in Moskau stammte. Er erhielt schon sehr zeitig Musik- und Zeichenunterricht. Nach der Revolution wurde die Lebenssituation der Poliakoffs, wahrscheinlich auf Grund ihrer Herkunft aus der Oberklasse, immer kritischer. Im Alter von 20 Jahren beschloss er, das Land zu verlassen, was ihm auf abenteuerlichen Wegen auch gelang. Er kam 1923 in Paris an, wo er bis zu seinem Lebensende 1969 blieb. Bilder von Serge Poliakoff kann man hier sehen.

Jetzt komme ich noch einmal auf das Thema Sein und Seiendes und das Entbergen aus dem vorigen Post zurück. Wenn ich nach der Natur male, was entberge ich da eigentlich? Entberge ich nichts, weil es das Abbild von etwas schon Vorhandenem ist, oder entberge ich doch etwas, da das Abbild durch subjektives Empfinden feine Änderungen erfährt? Außerdem erlebt das geschaute Stück Natur, welches als Malvorlage dient, ja noch die große Transformation vom dreidimensionalen Raum auf die zweidimensionale Tafel. Zusammen mit Rahmen, Leinwand und den millimeterkleinen Erhebungen der Farbspuren entsteht ein neuer, gemachter Gegenstand, der Bild heißt. Sozusagen ein Artefakt und also doch eine Entbergung? Denn dieser Gegenstand war vorher nicht da, auch wenn darauf ein realistisches Abbild einer Natursituation zu sehen ist. Ich bin versucht zu schlussfolgern, dass ein von Hand gemachter Gegenstand, ein Artefakt, etwas dem Nichts entborgenes ist, ein in Serie hergestellter, immer gleicher Gegenstand nicht. Obwohl, auch da gibt es Toleranzen. Absolut gleich sind Serienartikel wohl kaum. Übrigens sind gute Bilder gar nicht vor der Natur bis ins letzte Detail gemalt. Photo- und Hyperrealismus sind mir langweilig. Ein Dozent für Landschaftsmalerei empfiehlt, ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr auf die Malvorlage in der Natur zu schauen, vielmehr ihr den Rücken zuzudrehen und das Bild fertig zu malen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt bestimmt das Bild die Regeln und nicht die Vorlage.

Atelier ONH Öl/Pappe
2015 by Carl Weltwitz

Otto Niemeyer-Holstein, der auf Usedom lebte, sein Atelier kann man in Lüttenort besuchen, sagt sinngemäß in einem Film, den man dort anschauen kann, „Bis zum ersten Strich bin ich frei, danach bestimmt das Bild, was zu tun ist.“

Das Bild ganz oben heißt No.1 Ich vermute ganz stark, es wird auch bei dieser Nummer 1 bleiben. Na ja, man weiß nie, was das Leben noch bringen wird. Ansonsten gab es gestern an vielen Orten Gewitter und die ersehnte Abkühlung ist gekommen. Heute sitzt es sich ganz angenehm im Garten.

Hinter der Windmühle zieht ein Wetter auf
Ölskizze auf Papier
gestern by Carl Weltwitz

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