Im Tal der drei Kiefern

Tief in den Wäldern Mittelthüringens verborgen liegt das Tal der drei Kiefern. Genau genommen ist es eher eine Lichtung, die in einer Bodensenke liegt, denn ein Tal. Vor nicht allzulanger Zeit spielte sich hier eine kleine Tragödie ab.
Der alte Weißleder, ein illegaler Bierbrauer aus Schmieritz, stapfte den Moosbach, einer der beiden Zugänge in das Tal, hinauf, um Bilsenkraut für sein nächstes Gebräu zu sammeln. Als er die Waldesblöße mit den drei Kiefern betrat, stand die Sonne schon ziemlich tief am Horizont. Am anderen Ende der Lichtung saß der zittrige Delmar, ein illegaler Jäger, auch aus Schmieritz stammend, auf Anstand und wartete auf Wild. Zur Verpflegung hatte er sich einen Krug Bilsenbier, welches er vorigen Tages vom Weißleder unter der Hand erstanden hatte, mitgebracht.
Der Krug war bereits geleert und vom Wild war weit und breit nichts zu sehen. Doch das focht Delmar nicht an, er genoss das sanfte Rauschen, welches seinen Schädel durchströmte. Plötzlich sah er am Waldesrand die Zweige einiger Sträucher wackeln. Etwas bewegte sich auf die Lichtung zu. Delmar legte schwankend an und feuerte sofort einen Schuss in Richtung der vermeintlichen Beute ab. Das Projektil traf Weißleders Hut und fegte diesen von seinem Scheitel. Darob war er so erschrocken, dass er vornüber in den Moosbach fiel, mit dem Kopf an einen Stein schlug und in dem Rinnsal ertrank. Delmar, freudig erregt ob des prächtigen Stückes Wild, welches er glaubte erlegt zu haben, wollte rasch vom Anstand absteigen, verfehlte im Rausch die Leiter, stürzte ab und brach sich das Genick. 
In Schmieritz gab es seitdem keine privaten Garten- und Hoffeste mit Wildbret und Rauschebier mehr, was die Einwohner sehr betrübte. Die Moral von der Geschicht: Trinke auf dem Anstand nicht!

Tal der drei Kiefern

Der Bleistift

Nun wird alles besser. Der alte Bleistift, völlig verbraucht und abgespitzt, musste abdanken. Aus dem Konvolut der Reservisten haben sich die Kandidaten auf das freigewordene Amt als Primärstift in Stellung gerollt. Wehe ihnen, wenn der Anspitzer die Zeichenbühne betritt. Doch sie werden ohne Gegenwehr, wie alle vor ihnen, den Kopf in den Konus mit der Klinge stecken, um die Holzhaut abzuschälen.
Im Gedächtnis sind Bilder des vergangenen Sommers noch lange gespeichert. Hänge und Wiesen, über denen eine warme Luft steht. Reiher, die regungslos auf den Abend warten. Das Klopfen und Hämmern der Wachstumsgesellschaft, der Lärm der Autostraßen, bleiben in der Erinnerung ausgeklammert.

Landschaft im Elbsandsteingebirge

Kleine Dinge

Manchmal passiert den ganzen Tag nichts Bemerkenswertes. Aber vielleicht ist das nicht nur manchmal so, sondern die Regel. Auf jeden Fall werden die Sinne für die kleinen, unspektakulären Dinge wach, wenn der Tage ohne Sensationen vergeht. Für die Färbung des Laubes, für das Treiben der Vögel, für den Spaziergang von Nachbars Katze.

Bauerngehöft 30 x 40 Öl/LW