29/01/2020

Das Gespräch mit dem Marabu, Leporello und Don Giovanni

Kühn bog der Weg nach links um einen mit Gesträuch und Kraut bewachsenen Felsvorsprung, hinter dem sich ein alter Fichtenbestand eine Anhöhe hinauf zog. Auf der gegenüberliegenden Seite breitete sich eine hellgrüne Wiese aus, durch die ein flacher Bach mäanderte. Dessen feines Sandbett glänzte in der hochstehenden Sonne wie purer Goldstaub.
Meisen und Sperlinge huschten durch die tiefhängenden Zweige der Bäume am Wegesrand und zwitscherten neueste Neuigkeiten in den Mittag. Von der Anhöhe her hallte der Ruf eines Kuckucks. Da wandelte ein Mann in Mönchskutte entlang des Weges. Als er zur Biegung kam, sprang plötzlich ein menschengroßer Marabu vom Fels mitten auf den Weg.
Der Marabu stellte sich höflich als Ritter Raugraf zu Oberdistelbach vor und konsultierte, da ihm, seit Jahren im Walde lebend, sämtliche Informationszuflüsse mittlerweile ausgetrocknet waren, bezüglich aktueller Nachrichten aus dem arkadischen Königshaus.
Viel konnte der Wanderer nicht berichten, hatte er doch vor Jahren das Abonnement des Adelsblattes gekündigt. Im Gespräch mit dem Marabu wurden daher zusätzlich zur aktuellen politischen Lage folgende Dinge erörtert:

  1. Ist es in der heutigen Zeit möglich, in eine so vergnügte Stimmung zu kommen, wie sie Don Giovanni in der Champagnerarie ausdrückt?
  2. Kann Leporello gegendert werden?

Bezüglich des ersten Punktes kamen die Diskutanten zu dem Schluss, dass es Personen, die vom Genderismus keine Ahnung haben und die die Kultur des Hinterwäldlerischen aus freien Stücken pflegen, unter Umständen gelingt, vergnügt zu sein.
Bezüglich des zweiten Punktes konnte keine Konklusion herbeigeführt werden, da sich die Diskutanten nicht darüber klar wurden, welche Naturgesetze dem Gendern zugrunde liegen. Vermutet wurde, das Genderisten höchstwahrscheinlich sich selbst pflegende Mängelwesen sind, was aber in der Frage nach der Möglichkeit der Genderung Leporellos nicht weiterhalf.
Vergnügt gingen die Diskutanten auseinander. Der Eine des Weges und der Andere die Anhöhe hinauf.

Ein Bleistift ist verbraucht

Nun wird alles besser. Der alte Bleistift, völlig verbraucht und abgespitzt, musste abdanken. Aus dem Konvolut der Reservisten haben sich die Kandidaten auf das freigewordene Amt als Primärstift in Stellung gerollt. Wehe ihnen, wenn der Anspitzer die Zeichenbühne betritt. Doch sie werden, wie alle vor ihnen, den Kopf ohne Gegenwehr in den Konus mit der Klinge stecken, um sich die Holzhaut abschälen zu lassen.

Im Gedächtnis sind Bilder des vergangenen Sommers noch lange gespeichert. Hänge und Wiesen, über denen eine warme Luft steht. Reiher, die regungslos auf den Abend warten.
Das Klopfen und Hämmern der Wachstumsgesellschaft und der Lärm der Autostraßen bleiben in der Erinnerung ausgeklammert.