Alte Brücke im Wald – Studie nach Johann Schirmer

Alte Brücke im Wald Studie nach Johann Schirmer 21 x 29 Öl/LW

Welcher Schwarmgeist hätte nicht Lust, über eine solche alte Brücke zu flanieren, auch wenn niemand zuschaut. Die meisten Großstädter scheinen sich im Wald einsam und verlassen zu fühlen. Aus welchem Grunde sonst bereisen sie die Natur am liebsten in größeren Gruppen? Für den Schwärmer ist es im Wald nie einsam. Überall krabbelt und kriecht es, im Unterholz verbergen sich scheue Tiere und in den Wipfeln hocken vielerlei Vögel. Und wenn es leise ist, wenn sich kein Lärm von Ausflüglern, Touristen und quengelnden Kindern breitmacht, kann man die Stille des Waldes hören. Das Waldweben. Vorausgesetzt, es sind keine Autobahnen und Fernverkehrsstraßen, deren nervtötendes Rauschen allerorten die Luft erfüllt, in der weiteren Umgebung vorhanden.

An der Wisenta

Die Natur ist wunderbar und versetzt uns immer wieder in Erstaunen, mag sie vom menschlichen Wirtschaften noch so sehr gequält werden. So gesehen letzten Samstag in der Nähe der Schmittenmühle bei Wüstendittersdorf, wo die Wisenta, fast noch Bach, neben den Gleisen der alten Bahnstrecke von Mühltroff nach Schleiz durch eine Aue mäandert: Aus dem knorrigen Ast einer gefallenen Weide wachsen drei junge Bäumchen empor. Wahrscheinlich waren das ehemalige Äste, die glücklicherweise nach dem Sturz oben lagen. Die Wisentaaue ist ein Naturidyll, soweit weg von der Welt, dass sogar der eine oder andere Schmetterling am Wegesrand auffällt. Allerdings nur die weißen und gelben, die schönen hellblauen, die es früher gab, die sind nicht mehr da.

Landschaften aus dem Gedächtnis

Hurra, ich kann Voraussagen machen, die zu 100% eintreffen. Manchmal jedenfalls. Gestern schrieb ich noch hier im Blog, dass die Digitalisierung bald ihren Siegeszug auf die Bildende Kunst ausdehnen wird. Heute hörte ich mit ungläubigem Staunen im Radio, bei Christie’s wird das erste Gemälde, welches von Computeralgorithmen geschaffen wurde, versteigert. Die vorläufige Schätzung soll sich auf 7000 bis 10000 Euro belaufen. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte die Korrektheit der Nachricht.

https://www.monopol-magazin.de/christies-versteigert-werk-eines-algorithmus

So viel wie menschliche Intelligenz bringt das Werk zwar noch nicht ein. Stephen Hawkings Nachlass wird zufällig auch gerade versteigert und allein seine Doktorarbeit wird auf 100.000 Dollar geschätzt. Das ist eine andere Hausnummer. Aber immerhin: Das Portrait of Edmond Belamy der künstlichen Intelligenz sieht dem berühmten Jesus-Bild der spanischen Rentnerin Cecilia Giménez verblüffend ähnlich.

Portrait of Edmund de Bellamy https://www.christies.com/features/A-collaboration-between-two-artists-one-human-one-a-machine-9332-1.aspx

Ecce Homo for Doña Cecilia Giménez

 

 

 

 

 

 

Um nach diesen aufregenden Neuigkeiten das Gemüt wieder zu beruhigen, widmete ich mich dann lieber dem Zeichnen von Landschaften aus dem Gedächtnis mit einem 2B Bleistift.

Landschaftsstudie 24 x 32 Bleistift 2B

Vertrotteln

Heute Mittag im TV Bundestag. Die Parlamentarier debattierten über ein sogenanntes Qualifizierungschancengesetz. Großer Konsens herrschte parteiübergreifend darüber, dass von nun an lebenslanges Lernen und lebenslange Weiterbildung für die Bevölkerung Usus wären und dafür Gelder bereitgestellt werden sollen. Das finde ich sehr gut. Für die Kohorten bis 50 jedenfalls. Ich habe mich ja auch mal an einer Fachschule weitergebildet. In jüngeren Jahren. Wenn ich mir die Hefte von damals anschaue, ich hatte ganz gut abgeschlossen, heute würde ich nicht mal mehr die Hälfte davon zustande bringen.
Ich empfinde, dass man ab 55 oder 60 auch geistig abzubauen beginnt. Weiterbildung ab 50 funktioniert nur, wenn sie auf einem Gebiet stattfindet, welches dem Lernenden von sich aus Begeisterung bereitet. Aller den Optimismus kultivierenden Personaltrainer zum Trotz. Kann aber auch sein, dass ich mit der Selbstdiagnose einer schleichenden geistigen Ermüdung, einem zahlenmäßig zu vernachlässigenden Ensemble angehöre. Oder, dass ich gar der Einzige bin, dessen kognitiver Leistungsgraph verdächtig in Richtung X-Achse abzudriften scheint? Ich hätte gerne das Recht verhandelt, im Alter vertrotteln zu dürfen. Die ergötzlichen Arbeitsfelder ausgenommen.

Mann im Dickicht
Studie, Öl auf Papier
A4

Wandersmann

Seht da geht der Wandersmann,
quert die Felder, wie er kann.
Seht da geht der Wandersmann,
durch die Wälder, wie er kann.
Seht da geht der Wandersmann,
über die Wiesen, wie er kann.
Seht da steht der Wandersmann,
schaut sich das Bächlein an.

Wandersmann
29 x 21 Kohle/Papier

Tantalos

Das den Schlüsselwerken der Weltliteratur zuzuschlagende Epos Die Zerstörung von Tantalis von Carl Anton Bernhard Friedrich von Kurowski-Eichen, welches in neun Gesängen den aufflammenden Hass zwischen den beiden Fürstenstämmen Dardanus und Tantalos schildert, deren Fürstensitze Dardanus und Tantalis sich am Berge Sipylos befanden, beginnt im Vorwort, welches dort Verständigung heißt, wie folgt:

Wer vermöchte es, eine Dichtung aus dem Alterthume in aller Lauterkeit und Größe heraus zu heben, und mit den erhabensten Dichtern der Vorzeit, einen Wettstreit zu wagen? „Tantalos“ weiterlesen