Im Tal der drei Kiefern (Eine schaurige Geschichte)

Tief in den Wäldern Mittelthüringens verborgen liegt das Tal der drei Kiefern. Genau genommen ist es eher eine Lichtung, die in einer Bodensenke liegt, denn ein Tal. Vor nicht allzulanger Zeit hat sich hier eine kleine Tragödie abgespielt.

Das Tal der drei Kiefern Bleistit A5

Der alte Weißleder, ein illegaler Bierbrauer aus Schmieritz, stapfte den Moosbach, einer der beiden Zugänge in das Tal, hinauf um Bilsenkraut für sein nächstes Gebräu zu sammeln. Als er die Waldesblöße mit den drei Kiefern betrat, stand die Sonne schon ziemlich tief am Horizont. Am anderen Ende der Lichtung saß der zittrige Delmar, ein illegaler Jäger auch aus Schmieritz, auf Anstand und wartete auf Wild. Zur Verpflegung hatte er sich einen Krug Bilsenbier, welches er gestern noch vom Weißleder unter der Hand erstanden hatte, mitgebracht. Der Krug war bereits geleert und vom Wild war weit und breit nichts zu sehen. Doch das focht Delmar nicht an, er genoss das sanfte Rauschen, welches seinen Schädel durchströmte. Plötzlich sah er am Waldesrand die Zweige einiger Sträucher wackeln. Etwas bewegte sich auf die Lichtung zu. Delmar legte schwankend an und feuerte sofort einen Schuss in Richtung der vermeintlichen Beute ab. Das Projektil traf Weißleders Hut und fegte diesen von seinem Scheitel. Darob war er so erschrocken, dass er vornüber in den Moosbach fiel, mit dem Kopf an einen Stein schlug und in dem Rinnsal ertrank. Delmar, freudig erregt ob des prächtigen Stückes Wild, welches er glaubte erlegt zu haben, wollte rasch vom Anstand absteigen, verfehlte im Rausch die Leiter, stürzte ab und brach sich das Genick. In Schmieritz gab es seitdem keine privaten Garten- und Hoffeste mit Wildbret und Rauschebier mehr, was die Einwohner sehr betrübte. Die Moral von der Geschicht: Trinke auf dem Anstand nicht!

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