Langeweile der Brexit und die Queen

Während ich diesen Artikel schreibe, steckt mir der Schock noch in allen Gliedern. Es ist unfassbar und ich bin moralisch entrüstet, wie noch nie. Als ich heute früh die aktuellen News im Internet aufschlug, war als eine der Headlines zu lesen: „Die Queen setzt Brexit-Gesetz in Kraft.“
Passend dazu illustrierten die Süddeutsche und die Tagesschau diese erschütternde Meldung mit einem Bild, welches die Queen im schwarzen Gewand zeigt, in symbolischer Trauerkleidung sozusagen. In der Bildzeitung dagegen sitzt sie im blauen Kleid am Schreibtisch. Wahrscheinlich wurde hier auf lebhafte Kontrastierung geachtet, um die Corona-Langweile, welche die Bevölkerung bedroht, zu bekämpfen.
Ein löbliches Unterfangen, das nicht genug gewürdigt werden kann. Was gemeinhin, und vor allem in den Zeiten prävalierender Lockdowns, verschwiegen wird, will ich hier nun kundtun: Die größte Geißel der Menschheit ist die Langeweile! Möge mein Ausruf auch ungehört verhallen, nicht nur mir ist diese Anschauung zu eigen. Bertrand Arthur William Russell schrieb einst: „Langeweile ist ein schweres Problem. Mindestens die Hälfte aller menschlichen Sünden erwächst aus der Furcht vor Langeweile.“
In seinem Werk Die Welt als Wille und Vorstellung bemerkte Schopenhauer zur Langeweile: „Fehlt es ihm [dem Menschen, Anm. d. Verf.] hingegen an Objekten des Wollens, indem die zu leichte Befriedigung sie ihm sogleich wieder wegnimmt; so befällt ihn furchtbare Leere und Langeweile: d.h. sein Wesen und sein Daseyn selbst wird ihm zur unerträglichen Last. Sein Leben schwingt also, gleich einem Pendel, hin und her, zwischen dem Schmerz und der Langenweile, welche Beide in der That dessen letzte Bestandtheile sind.“
Ja, und in diesen Zeiten des verordneten Stubenarrests wird das Pendel in Richtung der Langeweile ausschlagen, bis es mit ihr kollidiert.
Doch zurück zum Ursprung unseres Gedankenpfades, zur Headline und dem Konterfei der Queen daneben. Bei der Betrachtung des Bildes, den Artikel auch noch zu lesen, war mir dann doch zu mühselig, also bei der Betrachtung des Bildes schlug meine Entrüstung in tiefe Traurigkeit um. Die Engländer haben uns verlassen, wie konnten sie nur. Die Undankbaren! Nun trennt uns von ihnen ein Kanal salzigen Wassers, wie einst der Hellespont Hero und Leander, oder das tiefe Wasser die beiden Königskinder. Alle Zuwendungen waren umsonst. Die Anreicherung unserer Sprache mit Anglizismen, selbst das Wembley-Tor. Alles umsonst. Die Amerikaner haben es in dieser Beziehung wahrscheinlich besser gemacht als wir. Sie haben gleich zu Beginn ihre ganze Sprache durch Anglizismen ersetzt. Jetzt sind sie und die Engländer beste Freunde.
Das alte Jahr wirft seine Schatten auf das neue Jahr und mir bleibt nur eines, meinen geneigten Lesern zu wünschen, bleiben Sie gesund! Stehen Sie die Zeit der Langeweile stoisch durch, wie einst Gary Cooper die Mittagsstunde. Haben Sie keine Angst vor dem Jahreswechsel. Er wird in einem infinitesimal kleinen Zeitpunkt passieren, für uns praktisch nicht spürbar. Weil das so ist, wurde ja überhaupt erst das Feuerwerk erfunden. Genauso, wie wir Nasen haben, damit wir Brillen aufsetzen können. Voltaire veröffentlichte diese Erkenntnis in seinem Candide schon 1759.

Ein gesundes neues Jahr!

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten beisammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.
Venus nach Botticelli Bleistift a4
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Stifters Appetit

Zum Frühstück zwei Semmeln mit Schinken und drei gekochte Eier. Das zweite Frühstück am späten Vormittag lockt mit Bratkartoffeln und einem Schnitzel an den Tisch. Zum Mittag gönnen wir uns 6 Forellen und ein Stück Rindfleisch. Dazu zwei Flaschen Rotwein. Zur Vesper gibt es einen Apfelstrudel und ein Viertel Dessertwein. Das Abendessen besteht aus zwei bis drei gebratenen Tauben oder am besten gleich aus einer ganzen Ente. Dazu wieder zwei Flaschen Wein. Als Betthupferl gibt es am späten Abend Kartoffelsalat und kalten Braten und schließlich zur Förderung des Nachtschlafes zwei Liter Bier.
So ungefähr muss Adalbert Stifters täglicher Speisenplan ausgesehen haben. Der Dichter der Waldidyllen und asketisch lebender Figuren, litt an Völlerei, auch Freßsucht genannt. Das brachte ihm eine Leberzierrose ein und den Tod. Wobei er diesem durch Suizid vorgriff.
Unglaublich, wie Stifter mit solch einem überfüllten Magen überhaupt noch schreiben konnte. Als Nebenbeschäftigung neben dem Essen sozusagen. Uns waren zweimal Gänsebraten mit Thüringer Klößen an den Feiertagen schon fast zu viel. Es hat hervorragend geschmeckt, alles war selbst gekocht und zubereitet. Auch die Klöße. Aber dann ist es auch genug und wir freuen uns auf den Gänsebraten zum nächsten Weihnachtsfest in einem Jahr.
Am Sonntag hatten wir Pellkartoffeln und Quark. Ein Genuss nach all der Üppigkeit.

Bockwurstesser Tuschezeichnung a5
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Ein bisschen Winter

In den Höhenlagen der Mittelgebirge hat es die letzten Tage geschneit. Die Temperatur fiel in der Nacht so tief, dass sich auf dem kleinen Teich im Garten eine dünne Eisschicht bilden konnte. Schnee ist hier aber keiner liegengeblieben, wenn überhaupt welcher gefallen war. Das Eis in der Mitte hält sich noch wacker und an den getauten Rändern finden sich die Vögel zum Trinken ein. Finken und Meisen und wenn sich eine Amsel an der Wasserstelle nieder lässt, fliegen sie auseinander, setzen sich in die Sträucher, die das Ufer umsäumen und beobachten von dort die Lage. Sobald die Luft wieder rein ist, stellen sich die Vögelchen, eines nach dem anderen, aufs Neue am Ufer ein.
Der Winter ist dieses Jahr bei weitem nicht so streng, dass die heimischen Vögel leiden müssen. Trotzdem ist gleich neben dem Teich aus alter Gewohnheit ein großes Vogelhaus errichtet und mit Futter wohl gefüllt. Sollten im Januar, der früher Hartung oder Hartmonat hieß, wahrscheinlich, weil es in der eisigen Jahreszeit hart war, zu überleben, sollten also Frost und Schnee hereinbrechen und den gefiederten Freunden die Nahrung in Wald und Flur verwehren, dann werden sie wissen, wo ein Plätzchen zum Überwintern und zum Überleben ist.

Winterliche Landschaft Öl 38×55
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