Kühe und Köpfe, Sein und Seiendes

Neulich war ich unterwegs, um Kühe zu zeichnen. Leider gibt es heutzutage nicht mehr so viele Rinderweiden, sodass ich eine ganze Weile suchen musste. In der Gegend von Linda und Knau in Thüringen wurde ich endlich fündig. Ein eingegrenztes Stück Wiese auf dem Kuh war. Kuh ist demzufolge das Sein dieser speziellen, von mir gesuchten Washeit… oder anders bezeichnet deren Wesen? So habe ich es jedenfalls bei Heidegger verstanden. Bei Wikipedia kann man nachlesen: „…Mit Sein bezeichnete Heidegger in Sein und Zeit grob gesagt den Verständnishorizont, auf dessen Grundlage einem innerweltlich Seiendes begegnet…“. Die existente Kuh Pauline, die mir freundlicherweise Modell stand, wäre das aktuell von mir wahrgenommene Seinde des Wesens (der Washeit, des Seins?) Kuh.

Kühe Skizzen

Was haben Kühe und Köpfe miteinander gemein? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick sind es sprachliche Begriffe für Sein oder Seiendes? Ich sage mal, für Sachen, die es gibt. Auf den dritten Blick sind beide, Kuh und Kopf, dem übenden Menschen als Modelle für das Zeichnen und Malen gerne disponibel. Die Vorlage für die Kopfstudie ist von einem unbekannten holländischen Meister. Es ist eigentlich einer der drei Heiligen Könige. Der mit dem Weihrauch. Die Studie habe ich auf grundiertes Papier gemalt. Wie ich Papier für die Ölmalerei grundiere, steht hier. Untermalt habe ich mit stark mit Terpentin verdünnter Ölfarbe: Zinkweis, Ocker, Sienna gebrannt, Krapplack und Ultramarinblau. Die Untermalung habe ich rund eine Stunde anziehen lassen. Wenn man vormittags untermalt, kann man ein Mittagsschläfchen für das Antrocknen der ersten Farbschicht nutzen. Für die Übermalung kamen als Farben noch hinzu: Zitronengelb, Irgazienrot und Umbra gebrannt.

Kopfstudie nach unbek. holl. Meister

p.s.
Da kommt mir ein Gedanke: Ein Nichts könnte ja auch ein Sein sein, welches noch nicht in die Wahrnehmung getreten ist. Ich hatte im Zusammenhang mit Heidegger mal was von entbergen gelesen. Was noch nicht entborgen ist, ist Nichts…oder besser, das Nichts verbirgt Sein. Daraus folgt, die beiden Skizzen waren Nichts, bis ich sie gezeichnet und gemalt hatte. Dadurch wurden sie aus dem Nichts zu Seienden des Seins Studie. Daraus folgt weiterhin, als Maler und Zeichner ist man auch Entberger. Ein ermutigender Gedanke.

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