Malgründe

Es gibt ja die unterschiedlichsten Gründe, um ein Bild anzufangen. Sei es der Versuch, auch einmal ein Bild anzufertigen, weil man einem Maler zuschaute, sei es, weil man beim Aufräumen des Bodens die alten Buntstifte aus Kindertagen wieder hervorkramte, sei es, weil man in einer langweiligen Schulstunde oder Versammlung gedankenverloren herumzukritzeln beginnt. Ja, auch Kritzeleien können sich zu Bildern mausern. An Cy Twombly sei an dieser Stelle erinnert. Bei einem Freund entdeckte ich Anfang der achtziger Jahre ein Buch mit Bildern, die in einer eigenartigen, kindlichen, aber doch anziehenden Art gemacht waren. Das Buch hieß Malgründe und der Verfasser, welcher auch der Maler war, hieß Johannes Helm. Die Bilder, die Ruhe, die von ihnen ausging, diese elegische, man kann sagen arkadische Stimmung, faszinierten mich so sehr, dass ich mir das Buch selbst kaufte. Naive Malerei kannte ich vorher nicht. Johannes Helm war eigentlich Professor für klinische Psychologie, bevor er seine Anstellung als Professor für das Malen Mitte der achtziger Jahre aufgab. Mittlerweile ist er 91 Jahre alt und hat sogar einen Eintrag in der Wikipedia. In der Geschichte Das Atelier seines Buches, erzählt Johannes Helm von seinem Bruder, der Maler war und als er starb, sein Atelier hinterließ, in dem es unverwechselbar nach Terpentin, Farben und Leim roch. Da begann er zu malen, zu Lebzeiten seines Bruders hatte er sich nicht getraut. Ein Malgrund kann also auch die Lust am Material sein. Da wir gerade beim Material sind, es gibt natürlich auch die physikalischen Malgründe. Das sind die präparierten Materialien, auf denen die Maler die Farben aufbringen. Leinwand, Holz, Metall, Papier und vieles mehr können Malgründe sein. Wie der Name schon sagt, brauchen diese eine Grundierung.

Ich habe mir zwei Malgründe angefertigt, aus 3mm starker MDF Platte, auf die ich Leinwand, genauer Baumwolltuch, aufgezogen habe. Man nehme dazu:
2 MDF Platten
Baumwolltuch
25g Hasenleim
2,5g Alaun
Champagner Kreide (oder Rügener, das ist egal)
Zinkweiß Rotsiegel
Leinölfirnis
Wasser
Waage
Simmertopf
kleinen Becher

Die Platten habe ich mir gleich zuschneiden lassen. In diesem Fall 24cm mal 33cm. Vom Baumwolltuchballen werden zwei Stück Tuch abgeschnitten, die an allen vier Seiten der Platten ungefähr 1cm überstehen.

Also rund 26cm mal 35cm. Der Leim muss mindestens 8 Stunden vorgequollen werden. Am besten über Nacht. Dafür nehme man 250ml Wasser und 25g vom Hasenleim und schütte dies in einen Simmertopf. Wenn der Leim durchgequollen ist, d.h. am nächsten Tag, wird er erwärmt. Aber wirklich nur erwärmt, so um die 60°C, sonst verdirbt er. Deswegen der Simmertopf. Der ist sicherer. Ist der Leim bereit, werden 2,5g Alaun zugegeben und gut durchgerührt. Das gerbt den Leim und macht ihn wasserunlöslich.

Das Alaun immer zuletzt zugeben, sonst funktioniert es nicht. Im nächsten Schritt werden die Platten eingeleimt. Dabei ordentlich Leimwasser auftragen. Auf die nassen Platten die vorbereiteten Baumwolltücher auflegen und glatt streichen. Jetzt wieder mit ordentlich Leimwasser die Tücher einpinseln und dann das Ganze trocknen lassen. Ich habe die Malgründe heute eine Stunde in die Sonne gelegt. Die sommerliche Hitze sorgte dafür, dass sie in dieser Zeitspanne knochentrocken waren. Der überstehende Rand des Tuches lässt sich mit einem scharfen Messer abschneiden. Jetzt wird die Halbkreidegrundierung gemischt. Dazu nehme ich einen Teil der Kreide, einen Teil des Zinkweises und einen Teil des Leimwassers, welches auf der Kochplatte warm gehalten wurde. Wenn diese drei Ingredienzien gut vermischt sind kommen drei Teile Leinölfirnis dazu. Also verdoppelt man die Menge mit dem Leinölfirnis. Bei mir waren Leimwasser, Kreide und Zink zusammen im Becher 100ml. Also habe ich 100ml Leinölfirnis dazugegeben und das ergab dann 200ml Grundierung. Dies rührt man kräftig durch. Am besten mit einem kleinen Rührer oder Pürierstab. Dadurch emulgiert der Leinölfirnis mit der Zink – Kreide Dispersion und es ergibt sich eine cremeartige Konsistenz. Diese lässt sich mühelos spachteln. Möchte man die Grundierung flüssiger haben, für einen Pinselauftrag zum Beispiel, so gibt man etwas vom Leimwasser dazu. Nach dem Aufspachteln der ersten Grundierschicht lasse ich 20 min trocknen. Nun kommen noch zwei Schichten darüber, diese aber mit immer dünnerer Konsistenz. Daher verdünne ich meine Grundierung vor jedem neuen Auftrag mit etwas Leimwasser. Dann wird nur noch mit Pinsel aufgetragen. Das Ergebnis sind zwei schöne, selbst gefertigte Malgründe.

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