Mondnacht

Könnte man nicht in einer schönen Mondnacht im Juli an einem südlichen Gestade dahinspazieren. Vom Meer herkommend würde ein lauer, erfrischender Wind über die Caletta wehen, die Zweige der Pappel am Hang leise durchraschelnd. Vielleicht wäre aus einem fernen Dorf Hundebellen zu hören und oben im Herrenhaus würden die erleuchteten Fenster den Gang eines nächtlichen Festes anzeigen. Bestimmt ist das alles zu schön, zu kitschig und auf jeden Fall zu antiquiert für die postmoderne Zeit. Schade eigentlich.

Mondschein über einer Bucht im Süden

Genauso unzeitgemäß wie das Bild hier im Beitrag ist die sogenannte Idylle. Salomon Geßner zum Beispiel war ein Idyllendichter. Es gibt einen Band seiner Dichtungen, von Hermann Hesse ausgewählt und eingeleitet. Also kann die Idyllendichtung ja nicht ganz so schlecht sein. Oder ist Hesse mittlerweile auch unzeitgemäß? Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal. Auf jeden Fall schrieb Salomon Geßner auch einen Brief über die Landschaftsmalerey. Die alte Rechtschreibung sieht amüsant aus. Gottfried Keller, der Autor des Grünen Heinrich und von Romeo und Julia auf dem Dorfe, wollte eigentlich Landschaftsmaler werden. Dieser kindliche Wunsch verfestigte sich zunächst, als er bei seinem Onkel in der Büchersammlung Geßners Brief über die Landschaftsmalerei entdeckte und las. Doch zurück zu Geßners und seinem Brief. Hier ist ein Auszug daraus:
Die Dichtkunst ist die wahre Schwester der Mahlerkunst. Er unterlasse nicht die besten Werke der Dichter zu lesen; sie werden seinen Geschmack und seine Ideen verfeinern und erheben, und seine Einbildungs-Kraft mit den schönsten Bildern bereichern. Beyde spüren das Schöne und Grosse in der Natur auf; beyde handeln nach ähnlichen Gesetzen. Mannigfaltigkeit ohne Verwirrung ist die Anlage ihrer Werke, und ein feines Gefühl für das wahre Schöne muß beyde bey der Wahl jeden Umstandes, eines jeden Bildes durch das Ganze leiten.
Ich denke, ich bin ab und zu ganz gerne Idylliker.

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