Aus dem Skizzenbuch

Ich stelle das Fahrrad am Straßenrand ab und hole Skizzenblock und Zeichenzeug aus der Umhängetasche. Mit der hohlen Faust bilde ich ein kleines Guckloch. Das haben wir als Kinder gemacht, um ein Fernrohr zu imitieren. Ich versuche die Landschaft, die sich ringsum ausbreitet, auf ein Motiv einzugrenzen. Alles kann man nicht zeichnen, man muss sich auf einen interessanten Ausschnitt fokussieren, auch wenn dabei anderes Interessantes außen vor bleiben muss. Dann lieber mehrere Skizzen anfertigen.

Aus dem Skizzenbuch
Aus dem Skizzenbuch

Die Bäume sind kurz vor dem Austreiben, manche fangen schon zu blühen an. Wie kann das gezeichnet werden? Die Kronen sollten sich hell vor dunklerem Hintergrund abheben. Frisches Grün ist hell, und blühende Bäume sowieso, sie leuchten im schwindenden Wintergrau der Landschaft. Lichte Flecken ringsum. Ich versuche, eine Art zeichnerische Handschrift zu finden, um die Skizzen vor Ort rasch niederschreiben zu können.

Aus dem Skizzenbuch
Aus dem Skizzenbuch

Sonniger Weg an der Orlaquelle

Heute war nach langer Zeit wieder einmal ein schöner Tag und der Frühling klopfte energisch an die Tür. Die besten Voraussetzungen also, gewappnet mit Bleistift B4 und Skizzenblock, eine kleine Fahrradtour zur Orlaquelle zu unternehmen.

Sonniger Weg
Sonniger Weg
Bleistift B4/Skizzenblock A5

Bäume im Vorfrühling

Die Zeit vor der Wiederbelaubung. Die sich entwickelnden Knospen lassen die Bäume schon gelbgrün schimmern. Dennoch ist das Gerüst aus Stamm und Ästen deutlich zu sehen.

Bäume im Vorfrühling
Bäume im Vorfrühling

Aus meinem Skizzenblock

Skizzenblock
Skizzenblock

Das sind die Skizzen von gestern. Sie sind vor dem Fernseher entstanden. Deshalb ist auch eine Landschaft aus der Toskana dabei, ohne dass ich gestern mal kurz dort war. Skizzieren kann man immer, es gibt den Tag über genug Gelegenheiten dazu.

Aus meinem Skizzenblock

Gestern, bei dem durchblättern Thüringer Landschaftsfotos, lag der Skizzenblock griffbereit daneben. Ich skizzierte eine Baumgruppe und eine Ansicht der Nikolaikirche in Eisenach. Beim Zeichnen verwandelte sich die Baumgruppe in einen Baum, der vor einem fernen Wald postiert. Ja, und schließlich gesellte sich noch ein Reh dazu.

Baum und Reh
Baum und Reh


Nachdem die Kirche gezeichnet war, tauchte das Foto eines kleinen Hofes mit Hühnern auf. Neben dem Turm war ja noch Platz auf dem Skizzenblatt. So ist es gekommen, dass in Eisenach ein Huhn am Kirchturm vorbeifliegt. Na ja, so ganz stimmt das nicht. Das Huhn fliegt ja nicht, es steht mit beiden Beinen mitten im Leben, oder besser im Hof. Ich habe ihm einen Schatten zwischen die Füße gegeben, damit das besser sichtbar ist. Das Huhn schreitet also neben dem Kirchturm über seinen Schatten und trägt dadurch dazu bei, die Ressource Skizzenblock effektiv auszunutzen.

Nikolaikirche
Nikolaikirche


Bei dem Einscannen und Bearbeiten der Skizzen für den Blog bemerke ich gerade, dass hinter dem fernen Wald, auf dem Blatt mit dem Baum und dem Reh, die Nikolaikirche wie eine Fata Morgana aufsteigt. Das ist ja fast wie bei Caspar David Friedrichs Erscheinungen von Kreuzen und Kirchen.


Caspar David Friedrich Winterlandschaft mit Kirche
Caspar David Friedrich Winterlandschaft mit Kirche
CDF Vision der christlichen Kirche
Caspar David Friedrich Vision der christlichen Kirche
CDF Kreuz im Walde
Caspar David Friedrich Kreuz im Walde

Kohlezeichnen

Lilienstein
Lilienstein

Wie ein adipöser Lindwurm wälzte sich die Wolke über den fernen Lilienstein. Stift, der Zeichner von den drei Eichen, bestaunte das Schauspiel mit offenem Mund. Schon kreiselten seine Gedanken, ob sich denn von diesem Naturwunder ein verkäufliches Blatt in Kohle anfertigen ließe. Mit seinem Gefährten Fludribus befand er sich auf Wanderschaft, um Zeichnungen nach der Natur anzufertigen. Stifts merkwürdige Neigung zum intensiven merkantilen Grübeln ließ ihn zuweilen sogar die auf ihn wartende bezaubernde Camilla, Tochter der Signora Palpiti, vergessen. Nicht nur das, auch die Kohle, das Zeichenmaterial, hatte er zu Hause liegen gelassen. Also machten sich Stift und Fludribus daran, ein kleines Feuerchen zu entfachen, um ein paar Buchenzweige, die sie vom Waldboden aufsammelten, zu verkohlen.
Da blies aus der Lindwurmwolke ein heftiger Wind, der das Feuer in das trockene Unterholz trieb und schon brannten die Büsche und kleinen Bäume auf der Felsplatte, die sich die beiden fahrenden Künstler zum Aussichtspunkt gewählt hatten, lichterloh. Bei dem Versuch, das Feuer zu löschen, stürzten sie schließlich vom Felsen. Glücklicherweise fielen sie in eine Gruppe junger, stachliger Fichten, die die sausende Abfahrt soweit bremsten, dass sie sich zwar unversehrt, aber doch mit blauen Hinterteilen auf weichem Grase neben einem friedlich dahin murmelnden Bach wiederfanden. In diesem Moment entfuhr dem Lindwurm, der sich weiter herangewälzt hatte, ein knallender Blitz und der darauf folgende Gewitterregen löschte das Feuer auf dem Plateau über ihnen.
Die Erkenntnis der Geschichte ist, dass das Kohlezeichnen nicht ganz so einfach ist. Aber doch einfach genug, dass jeder es getrost einmal versuchen kann. Die Zeichenkohle zwingt zum großzügigeren Arbeiten. Man sollte zunächst auf allzu viele Details verzichten. Kohle kann gut korrigiert werden und eignet sich zum Entwerfen von Bildern.

Mann vor altem Grabstein
Mann vor altem Grabstein

Leider gibt es auf Grund der oben geschilderten Ereignisse keine Bilder vom Studiengang der beiden Künstler. Deshalb habe ich, ungeachtet oder trotz meiner verkümmerten Fähigkeiten, versucht, selbst eine Ansicht der Lindwurmwolke über dem Lilienstein in Kohle zu wagen. Der geneigte Leser verzeihe die laienhafte Umsetzung.
Ein glücklicher Umstand spielte mir außerdem zweiter Blätter aus den Skizzenbüchern von Stift und Fludribus in die Hände, die ich hier gerne als Beispiele für Kohlezeichnungen anhänge.

Porträtstudie Tagore
Porträtstudie Tagore

Auf den beiden Blättern ist ein einmal ein Mann dargestellt, der vor einem alten Grabstein sitzt und den plötzlich ein Vogel besucht, zum anderen eine Porträtstudie von Tagore.

Der Zeichner unter den drei Eichen

Das Zeichnen und Malen in der Natur ist doch immer wieder eine willkommene Abwechslung zum Atelieralltag. Die Impressionen, die den Malort im Freien auszeichnen, prägen sich recht tief in das Gedächtnis ein. Schaut man später, zu Hause, die Skizzen und Studien durch, erinnert man sich ziemlich genau an die Stimmung vor Ort, an die Lichtverhältnisse, die Geräusche und Gerüche, an die lästige Wespe, die nicht weichen wollte und sich selbst durch heftiges Wedeln mit dem Skizzenblock nicht vertreiben ließ.

Der Zeichner unter den drei Eichen
Der Zeichner unter den drei Eichen

Eine Schwierigkeit, die sich immer wieder beim Plein Air aufzeigt, und vor allem für Anfänger eine Hürde darstellt, ist die Auswahl eines geeigneten Ausschnittes. Erscheint uns die umgebenden Natur doch schier unendlich. Man kann nicht alles malen, was da ausgebreitet vor uns liegt. Es muss auch nicht alles gemalt werden. Wenn mich die Fülle der vor mir ausgebreiteten Landschaft quasi erschlägt, suche ich mir eine Einzelheit aus, einen Baum, eine Buschgruppe, eine Wegbiegung und versuche diese, nachdem ich die Horizontlinie festgelegt habe, auf dem Blatt formatfüllend beziehungsweise das Format aufspannend zu platzieren.
Die Vorlage für den Zeichner unter den drei Eichen waren die Skizze und die Erinnerung an den vor kurzem erfolgten Studiengang in den Eichenhain.

ps. Ich kann jetzt auch Initialbuchstaben. 🙂