Tantalos

Das den Schlüsselwerken der Weltliteratur zuzuschlagende Epos Die Zerstörung von Tantalis von Carl Anton Bernhard Friedrich von Kurowski-Eichen, welches in neun Gesängen den aufflammenden Hass zwischen den beiden Fürstenstämmen Dardanus und Tantalos schildert, deren Fürstensitze Dardanus und Tantalis sich am Berge Sipylos befanden, beginnt im Vorwort, welches dort Verständigung heißt, wie folgt:

Wer vermöchte es, eine Dichtung aus dem Alterthume in aller Lauterkeit und Größe heraus zu heben, und mit den erhabensten Dichtern der Vorzeit, einen Wettstreit zu wagen?

Das Sipylosgebirge befand sich damals in Lydien, dessen letzter König Krösus war. Tantalos war eher an der Macht, er war einer der ersten Könige in Lydien und er soll, genauso wie Krösus, unermesslich reich gewesen sein. Weil Tantalos den Göttern Ambrosia und Nektar stahl, und weil er ihnen seinen jüngsten Sohn zum Mahl servierte, wurde er zur Strafe in den Tartaros verbannt. Der Sohn aber wurde von den Göttern wieder hergestellt und gerettet.

Das Fest der Götter bei Tantalus
Hugues Taraval

Im Tartaros musste Tantalos ewig Hunger und Durst leiden, obwohl er im Wasser stand und um ihn herum an den Bäumen die schönsten Früchte wuchsen.

Tantalus im Tartarus

Bei Homer in der Odyssee in der Übersetzung von Voss klingt das so:

„Auch den Tantalos sah ich, mit schweren Qualen belastet.
Mitten im Teiche stand er, den Kinn von der Welle bespület,
Lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen.
Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen;
Schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße
Zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon.
Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige,
Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
Oder voll süßer Feigen und rötlichgesprenkelter Äpfel.
Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken;
Wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken.“

Im oben erwähnten Epos geht es aber erstmal um den Krieg von Tantalis. Bei Friedrich von Kurowski–Eichen klingt das so:

Tantalos dunkel umflattert von Bildern des wilden Entsetzens.
Schnell durch Dorn und Gebüsch aufklomm er am schwindelnden Felspfad,
Seufzte zur Ferne hinaus, und schlug sich die brennende Stirne;
Schneller noch eilte er hinab zum Palast, hemmt plötzlich den Schritt dort,
Kämpft mit zerrüttendem Schmerz, und stampfet den Boden zur Dröhnung.

Ich denke, wir lassen das Schlüsselwerk der Weltliteratur lieber wieder in der Versenkung verschwinden. Der Friedrich hat den in der Verständigung angedeuteten Wettstreit verloren. Zum Tantalos wäre noch zu sagen, dass sich hinter dem Begriff auch eine Halterung für Flaschen oder Karaffen verbirgt, die in England 1881 patentiert worden war und dazu dient, unerwünschten Personen den Zugriff auf den Inhalt zu verwehren.

Tantalus
(UK Patent 58948)

Außerdem hat das chemische Element Tantal seinen Namen von Tantalos. Weil es keine Säure aufnehmen kann, auch wenn es davon umgeben ist. Damit Friedrich von Kurowski-Eichen nicht ganz so sang und klanglos von der Bühne dieses Blogs abgehen muss, habe ich ihm noch eine Eiche gemalt.

Carl Weltwitz
Eiche (Studie)

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