Triptis Stadtkirche St. Marien und Marktplatz

Heute Morgen tauchte bei den Leseempfehlungen im FireFox Browser ein Spiegelartikel vom letzten Sonntag auf. Der Homo erectus starb aus, weil er zu faul war. Es ist erstaunlich, was die Wissenschaftler alles herausfinden können. Homo erectus der Urvater des Hedonismus. Schade, dass er ausgestorben ist. Vielleicht wäre uns der ausufernde Neoliberalismus erspart geblieben. Wie auch immer: Um nicht auszusterben, sagte ich mir sofort, sei nicht so faul und schreibe einen kleinen Blogartikel.

Triptis Markt

Die Stadtkirche und die alte Marktschule sind zusammen ein hübsches Motiv. Normalerweise steht auf dem Marktplatz von Triptis auch noch ein Brunnen. Je nach dem von wo aus man das Motiv aufnimmt, drängt er sich vor die Silhouette der Stadtkirche oder der Marktschule links daneben. Also habe ich den Brunnen in diesem Bild einfach weggelassen, wie die vielen Autos, die gewöhnlich dort stehen. Leider wird der Marktplatz als Parkfläche genutzt. Nun ist es eine große graue Fläche geworden, die sich vor der Kirche ausbreitet. Ein rein ästhetisches Element im Bild? Seit Kant wissen wir, dass das Geschmacksurteil der ästhetischen Wahrnehmung, ein interesseloses Wohlgefallen ist, welches sich vom zweckgerichteten Gefallen abhebt. Kant geht davon aus, dass alle Menschen in der Lage zu diesem interesselosen Wohlgefallen sind. Für Pierre Bourdieu hingegen sind nur die Menschen der Oberschicht zur reinen ästhetischen Wahrnehmung in der Lage, da sie aus ihren Kinderstuben die dafür nötige Bildung mitbringen. Diese Fähigkeit zum reinen, ästhetischen Blick nutzen sie als Distinktionswerkzeug, um sich von den unteren Schichten abzugrenzen. Pierre Bourdieu hat zu diesem Thema umfangreiche Feldstudien betrieben und Unmengen von Daten erhoben. Tatsächlich konnte er beweisen, dass das Genießen rein ästhetischer Kunstwerke ein Phänomen höhergestellter Klassen ist. Ein Marktplatz sollte keine rein ästhetische Einrichtung für Distinktionsbemühte sein. Deshalb hat die graue Fläche hier im Bild auch noch eine kleine Funktion bekommen: Als gepflasterter Platz, der den sein Fahrrad liebenden Fahrradfahrer zur Überquerung einlädt.

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